Stefan Dosdal – Testimonial Deutsch


Stefan Dosdal in Deutschland 2015Das ist das Testimonial von Stefan Maria Dosdal. Oft denke ich an jene Zeit zurück, da war ich nicht einmal 30 Jahre alt und hatte alle meine Träume weitestgehend erfüllt. Es mangelte nicht an Geld, schon gar nicht an Luxusgütern, ich hatte eine Frau und eine wunderbare Tochter. Ich bewohnte ein Penthouse ganz in der Nähe von Zürich und meine Sorgen waren derart peinlich, dass ich heute herzhaft darüber lachen kann. Ich war arrogant und selbstherrlich. Wie sonst kann man jemanden beschreiben, der sich darüber echauffierte, dass sein Einkauf nicht in seinen Sportwagen passte.

Es liegen ein paar intensive Jahre hinter mir und 2012 war ich aufgrund vieler Ereignisse wenig optimistisch. Ich war am Ende.

Meine Geschichte

Mit 16 war mein Ziel klar definiert: reich werden. Dafür habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker in den Wind geschossen und stattdessen lieber eine Firma gegründet. Ich arbeitete Tag und Nacht. Freundschaften waren für mich nicht von grossem Interesse und daher oberflächlich. Sämtliche Feierlichkeiten sagte ich mehr oder weniger gut begründet ab. Ich war nur mit der Arbeit beschäftigt.

Mein Geld verdiente ich übrigens mit dem Internet und Google. Suchergebnisse zu manipulieren, das passte irgendwie zu meinem alten Charakter.

Mit 20 Jahren verdiente ich bereits sehr gut, fuhr einen Sportwagen und bewohnte eine Wohnung am Strand von Warnemünde. Beinahe täglich speiste ich beim Italiener um die Ecke. Ich liebte Geld und die Möglichkeiten damit. Mir waren Statussymbole sehr wichtig, die zu meiner Selbstdarstellung einfach dazu gehörten.

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits ein seelenloser Mensch geworden. Zunehmend launisch und von mir selbst geradezu besessen interessierte mich nur schneller, unkomplizierter Sex, ohne Verpflichtungen. Beziehungen hielten nie mehr als zwei Wochen. Dass ich so zunehmend vereinsamte, bemerkte mein mega Ego nicht. Ich war halt launisch, das war okay für mich.

Ich wollte geliebt werden

Und doch erinnere ich mich an eine wundervolle Frau aus dieser Zeit, die einfach mehr verdient hätte. Nennen wir sie Jenny. Statt bei Jenny zu bleiben, feierte ich lieber mit überwiegend oberflächlichen Leuten auf Mallorca bei Pasta und Wein im Hafen von Andratx. Jenny klagte darüber zurecht und beendete die Beziehung nach einiger Zeit. Meine Entscheidung bereue ich heute und das nach über 10 Jahren. Denn ich glaube, dass aus der Beziehung zu Jenny mehr hätte werden können. Ich hatte ein Problem mit der Nähe, ich fühlte mich unwohl und überspielte meine Unsicherheit mit coolen Sprüchen. Ich konnte nicht in die Tiefe gehen, war lieber oberflächlich und daher unangreifbar. Menschen habe ich immer auf Distanz gehalten. Niemand sollte wirklich wissen, wer ich bin. Ich hatte Angst vor Zurückweisung, denn ich wollte geliebt werden.

Stefan Dosdal – Rund um die Welt

Ich zog 2008 aus geschäftlichen Gründen in die Schweiz. Eine Frau am Flughafen von Zürich ist mir in Erinnerung geblieben, denn sie rief mir aus einem Schmuckladen hinterher: „Auffallen um jeden Preis!“. So ist es! Das war ganz nach meinem Geschmack und deswegen kaufte ich direkt noch einen beeindruckenden, silbernen Ring bei ihr, der meinen Daumen schmücken durfte. Da war ich 22 Jahre alt. Heute muss ich sagen: clevere Geschäftsfrau!

Eine kleine Weltreise mit einem alten Bekannten begann in einem Surfcamp auf Bali. Tolle Sache, ich zündete mir nach der Ankunft eine schöne Zigarre an und hatte sofort einen Stempel auf der Stirn: arroganter Wichtigtuer. Okay, Zigarren in einem Surfcamp? Wir zogen in ein 5 Sterne Resort um, 450 Dollar die Nacht. Da fühlten wir uns wohl, Landung mit Helikopter am Strand inklusive. Die smarten Surfer sahen wir nie wieder und das Thema Surfcamp war damit begraben. Liebe Surfer, ich war nichtmal im Stande auf einem Gun-Board zu surfen. Ihr dürft gerne lachen.

Geschäftlich verschlug es mich eine Weile nach Sibirien. Ich kam dort im knackigen Winter an, die Nasenhaare froren bei jedem Atemzug ein. Ein Ort, den man sich gestalten muss. Da war ich gut drin. Jeden Abend besuchte ich eine gute Bar mit leicht bekleideten Mädels. Die Bilanz des Ladens hat während meines sechsmonatigen Aufenthaltes sicher Eindruck hinterlassen. Ich hatte dort auch eine Beziehung zu einer sehr schönen russischen Frau, nennen wir sie Helene. Helene aus Irkutsk war ein herzensguter Mensch und ich hoffe, dass es ihr gut geht und sie mir verzeiht. Meine Entscheidungen waren nicht immer richtig. Gott beschütze sie.

Business lief prima – scheinbar

In der Schweiz hatten meine Geschäftspartner und ich eine gute Sache am Laufen. Es ging um sehr viel Geld. Ein paar Jahre lief es ganz gut, ich heiratete in dieser Zeit meine heutige Ex-Frau und wir bekamen eine Tochter. Wir lebten auf grossem Fuss. Ich zahlte monatlich einen Tausender an die Familie meiner Ex-Frau. Ich kannte ihre Familie zwar kaum, aber wenn es meine Ex glücklich machte, warum nicht. Beim Pokern würde man es wohl “Buy-in” nennen. Ich durfte am Tisch Platz nehmen, bis die Chips aufgebraucht wären. Wer hatte die besseren Karten? Mein Blatt war schlecht.

Das unendliche Misstrauen unter uns Geschäftspartnern hat die Firma letztlich zerstört. Ausserdem verlagerten sich unsere Interessen zunehmend. Ich bin ein Freund des Risikos und habe womöglich ein wenig zu viel riskiert. Einer meiner Geschäftspartner nannte meine Art Geschäfte zu tätigen die „All-in Mentalität“. Wahrscheinlich lag er damit gar nicht so falsch. Es war keine einfache Zeit und wir alle haben unsere Fehler gemacht. Ich entschuldige mich aufrichtig für die meinen. Zuletzt konnte auch unsere externe Buchhaltung nur noch feststellen, dass die Firma finanziell am Ende war. Mies gelaufen.

Wo wir beim eigentlichen Abstieg angekommen wären

Meine finanziellen Mittel neigten sich dem Ende zu. Es musste gespart werden. Ich versuche meine Ex-Frau noch heute zu verstehen; denn die Schlacht, die sie gegen mich führt, empfinde ich als leicht übertrieben. Sie hatte sich von unserem gemeinsamen Leben wohl einfach mehr erhofft und ich konnte nun finanziell nicht mehr mithalten. Ich war scheinbar einen Deal eingegangen, und wenn du die Liebe kaufst, endet sie unweigerlich im Bankrott. Mein Fehler! Passiert mir nie wieder. Ich hoffe, dass wir uns eines Tages in die Augen schauen können und einander verzeihen. Auch wenn es mir schwer fällt, ich verzeihe ihr. Ich habe sie gemocht, trotz ihrer Fehler.

2012 ist also mein Schicksalsjahr. Die Firma war platt, die kleine Familie weg und ich stand auf weiter Flur.

Es war an der Zeit einmal aufzuwachen. Was bin ich? Was habe ich? Warum läuft es so, wie es läuft? Der Unmut meiner Ex-Frau war in jeder Faser meines Körpers zu spüren. Ich war aus ihrer Sicht ein kleiner armer Schlucker; was hatte ich zu bieten? Ein Gutschein von Douglas hätte sie wohl auch nicht milder gestimmt. Es wurde laut im Haus, zu laut. Aus Respekt zu meiner kleinen Tochter, packte ich meine sieben Sachen und fuhr wie angeschossen und schwer verwundet ins Unbekannte. Ich war erledigt. Ich überwies meiner Ex-Frau noch eine fünfstellige Summe für den Unterhalt. Was sie mit dem Geld letztlich angestellt hat, weiss nur sie allein.

Es war ernst!

Gott reanimierte mich

Diese Momente, der Bankrott, der Verlust meiner kleinen Familie, das hat mich innerlich sterben lassen. Wo ist der Sinn geblieben? Was sollte ich tun? Ich war ohne Plan und einfach nur leer. Mein Leben war eine Illusion, eine wahnsinnige Traumwelt. Ich liebte eine Frau, die gar nicht existierte. Mein Ego war wie aufgelöst und empfänglich für jede Nuance. Es war der Moment, an dem mich Gott reanimierte.

Ich lernte Menschen kennen, die alle eines gemeinsam hatten: Sie waren Christen, mit Ausnahme einer Muslimin, die auch ein sehr wichtiger Anker wurde. Gott fing an, mich mit den richtigen Menschen zusammenzubringen. Ich erinnere mich gerne an eine Künstlerin aus der Nähe von Zürich, die mir viel Zuversicht gab aber auch nicht zimperlich mit mir umging. Ich schlief in ihrem Atelier. So etwas wie Selbstmitleid interessierte sie nicht, deswegen fing ich damit gar nicht erst an. Wir hielten uns an die Fakten. Sie hat mich mit ihrer Art weitergebracht. Und als es an der Zeit war, schickte sie mich auf ihre ganz eigene Weise weiter. Ich solle einfach auf Gott vertrauen. Ich wünsche ihr alles Gute und Gottes Segen.

Auf Gott vertrauen

Wie schön diese Momente sind, wenn man jeden Tag auf Gott vertraut, wurde mir erst sehr viel später klar. Denn nachdem ich das Haus der Künstlerin verliess, stand ich mit ein paar Umzugskisten ganz alleine da. Ein ehemaliger guter Bekannter, war so freundlich, mir sein Auto zu leihen, damit ich meinen Kram irgendwo hinfahren konnte. Ich danke ihm dafür. Meine Ex-Frau lebte in unserem 140qm Penthouse und ich musste überlegen, wo ich die nächste Nacht schlafe. Ich hatte keine Zeit, mir darüber Sorgen zu machen.

Ich lernte eine ältere Frau kennen, die mich wie einen Sohn in ihrer kleinen Wohnung in Zürich aufnahm. Sie ist eine Mormonin. Ich gab ihr meine letzten Ersparnisse und hoffte auf ihre Gunst. Das Geld würde für einen Monat reichen. Daraus wurde ein knappes Jahr. Ein intensives Jahr. Sie war sehr höflich, kochte für mich und verlangte dafür nichts, rein gar nichts. Sie lehrte mich die Bibel und nahm mich an jedem Sonntag mit zur Messe. Diese Liebe, von einem fremden Menschen, habe ich so zuvor nie erfahren. Sie ist ein herzensguter Mensch und hat meine Seele nachhaltig, positiv verändert. Auf diese Weise durfte ich Nächstenliebe kennenlernen. Ich danke ihr für die Freundschaft, die wir bis heute pflegen.

Gott prüft mich

Während dieser Zeit war meine Ex-Frau mit unserer gemeinsamen Tochter ins Ausland gezogen. Es war ein weiteres Loch, in das ich fallen sollte. Warum passierte das? Ich blieb in Zürich, um für die Gerechtigkeit zu kämpfen, um wenigstens Kontakt zu meiner Tochter haben zu können. Gott, hast Du mich im Stich gelassen? Ich fing an zu zweifeln! Ich ging in eine katholische Kirche, klagte Gott an, warum er all dies zuliess. Auf einer hölzernen, harten Bank presste ich meine Knie, um meiner Demut Ausdruck zu verleihen.

Ich blickte auf meine Gesamtsituation.

Dabei fing ich an etwas zu verstehen. Gott hat mich nie im Stich gelassen. Er gab mir ein Dach über den Kopf, er gab mir ehrliche Freunde und er gab mir reichlich zu Essen. Das ist Gottes Gnade.

Ich verliess die Schweiz, da es für mich dort keine Perspektiven mehr gab. Nun war ich hungrig nach Abwechslung.

Die Karibik

Es bot sich eine Möglichkeit an, auf die Bahamas zu fliegen. Das tat ich dann auch. Meiner Ex-Frau überwies ich einen angemessenen Unterhalt. Ich lernte Einheimische kennen und hatte ein paar Affären. Gott hatte ich nicht mehr so sehr auf dem Schirm, ich war ziellos. Hauptsache Action und viel Spass, den Ärger einfach mal hinter sich lassen.

Mit einer 20-Jährigen hatte ich ein paar Tage ein Liebesnest. An der Decke hing ein schäbiger Ventilator, der nur die schreckliche, feuchte Hitze umherwirbelte. Ich schwitzte wie ein Schwein. Der Sex brachte mich bald um. An schlafen war eh nicht zu denken.

Ich liebte die Mädels auf den Bahamas. Aber es gab zunehmend Anfeindungen. In einem Club direkt am Hafen von Nassau, kam es bald zu einer Schlägerei. „White Boy“, wie sie mich nannten, war nicht länger erwünscht. Ich war auf der Insel zu bekannt geworden; ich legte mich mit zu vielen Leuten an. Meine paar schwarzen „Bodyguards“ knickten vor einer Gruppe Griechen ein, das musste ich ernst nehmen. Auf den Bahamas, überhaupt in der Karibik, ist ein Menschenleben nicht viel wert. Die Bahamas wurden mir im wahrsten Sinne des Wortes zu heiss.

Eines meiner Freundinnen empfahl mir Jamaika, das war irgendwie auch logisch. Denn die meisten Mädels auf den Bahamas kamen zum Geld verdienen aus Jamaika. Ich hatte also erstklassige Erfahrungen sammeln können.

Jamaika

Auf dem Flug nach Jamaika hatte ich eine Machete dabei. Ich hatte mich auf den Bahamas zuvor ordentlich ausgestattet, um auf den Dschungel vorbereitet zu sein. Mir brachte der Auftritt auf der Insel den gewünschten Respekt ein. Man war der Überzeugung, ich wäre vom amerikanischen Militär. Mit Zigarre im Mundwinkel fragte ich auf genuscheltem Englisch, wo es denn nach Ocho Rios geht. Dort hatte ich mir eine Schlafmöglichkeit organisiert.

Ganz der Alte, wieder arrogant und selbstherrlich. Nichts gelernt?

Ich fing einmal mehr an über mein verkorkstes Leben nachzusinnen. Zahlreiche Affären, Bekanntschaften mit zwielichtigen Gestalten und dann war da noch die nicht zu unterschätzende hohe Mordrate auf Jamaika; im Übrigen eines der höchsten in der Welt. Irgendwann könnte es mich treffen, schliesslich kam ich nie auf Samtpfoten daher.

Auf Jamaika quartierte ich mich bei Einheimischen ein. Hotels hatte ich schon länger satt. Ich überlegte wirklich dort zu bleiben. Der Ort nannte sich Oracabessa, dort hat Ian Fleming die James Bond Romane geschrieben. Das gefiel mir, der Ort hatte Charakter. Ein echter Neuanfang, ganz in der Nähe vom Golden Eye.

Auf Jamaica gehören die Katholiken mit 4% zu einer Minderheit aber mit genau diesen freundete ich mich an. Faszinierend, wie Gott mich ausgerechnet mit Katholiken zusammenbrachte. Mit meinen Freunden vor Ort ging ich regelmässig in die katholische Kirche; nach einem Monat also endlich wieder eine Messe. Ich spürte eine echte Befriedigung. Es kam wieder Ordnung in mein Leben.

Rosenkranz – Maria war längst da

Ich hörte erstmals auch vom Rosenkranzgebet. Warum? Na ja, ich erstand mir auf einem Markt so eine hölzerne Kette und hing sie mir um den Hals, ohne zu wissen, dass es sich um eine Gebetskette handelte. Mir gefiel sie einfach. Erst ein Freund klärte mich auf, was genau ich mit mir herumtrug. Seit dieser Zeit war die Jungfrau Maria also ständig anwesend, ganz unbewusst. Der Rosenkranz ist das mächtigste Schwert gegen das Böse.

Der Weg ist das Ziel

Es folgten drei Monate, die mich intensiv mit der Frage beschäftigten, wohin mich mein Leben führen sollte. Warum ich immer das Abenteuer brauche und mich immer von anderen abheben muss. Denn diese Selbstdarstellung war immer eine kurze Befriedigung. Langfristig war es aber nicht von Bedeutung.

Ich trank etliche Biere, sass unter der Palme, flirtete mit den schicken Mädels am Strand und bedankte mich bei Gott, dass er mir die Ruhe zum Nachdenken schenkte. Das war nicht gerade demütig, sondern hochmütig. Dabei machte es irgendwie Klick und ich stand auf, um die Gegend zu erforschen.

Eine gerechte Freundin trat in mein Leben, mit der ich nach wenigen Tagen zusammenlebte. Die kalte Dusche am Morgen, die frische Mango vom Baum, die freundlichen Menschen um mich herum – ich erkannte, dass es sehr wenig brauchte, damit ich zufrieden war.

Nun, da war ich also, in einer kleinen Hütte mit Meerblick und einer 23-Jährigen Jamaikanerin, die liebevoll für mich kochte. Ich genoss jeden einzelnen Tag mit ihr. Es hätte der Anfang eines perfekten Lebens sein können. Ein paar Dollar konnte ich auch verdienen, sodass ich meinen Unterhaltsverpflichtungen natürlich auch nachkam.

Wertvolle Freunde

Ich lernte auf Jamaika auch einen wichtigen Politiker von St. Mary Parish kennen. Seinen Namen möchte ich hier nicht erwähnen. Ein sehr freundlicher Mann, der immer davon sprach, dass ich von Gott gesegnet sei. Ich werde das nie vergessen. Hoffentlich werde ich ihn bald einmal wiedersehen. Er hat eine unglaublich tolle, freundliche Familie, mit denen ich 2014 zusammen Weihnachten bei angenehmen 30 Grad verbrachte. Dieser Moment ist für mich unbezahlbar und ich bin glücklich, dass der Kontakt zu ihm und seiner Familie weiter besteht.

Für die Familie meiner lieben Freundin organisierte ich ein Barbecue. Es waren sicher 20 Familienmitglieder, die mit uns zusammen im Garten grillten, Bier tranken und einfach eine schöne Zeit verbrachten. Dieser Moment gab mir sehr viel. Ich verstand, dass Geben eine sehr wohltuende Eigenschaft ist. Meine Freundin war unfassbar glücklich und ich war es ebenso.

Dieses Leben fing an mir Freude zu bereiten. Ich wandelte mich zu einem wirklich sortierten, gesunden Menschen. Meine Freundin hatte bereits einen Sohn, eine kleine Familie war also schon da und wollte umsorgt werden. Es hätte alles so perfekt sein können.

Und dann, nach dieser Erkenntnis, traf es mich wieder.

Der Weg ist nicht zu Ende

Mich erreichten Botschaften aus Deutschland, dass die Polizei mich suchen würde. Meine Ex-Frau hat Strafanzeigen in wohl drei Ländern gestellt, da ich angeblich auf der Flucht wäre und ihr Unterhalt schulde. Es schmeckte ihr sehr wahrscheinlich überhaupt nicht, dass ich in der Karibik höchstens von einer Kokosnuss erschlagen werden könnte. Ich bin wachsam bei sowas, man weiss nie, was noch für Anschuldigungen im Raum stehen. Schliesslich war ich nicht auf der Flucht, sondern dabei, mein Leben zu verändern.

Ich fackelte gar nicht lange und checkte bei Condors Richtung Frankfurt ein. Ich wäre wirklich sehr gerne auf Jamaika geblieben. Nun düste ich seit über 10 Jahren das erste Mal wieder zurück nach Deutschland, um mich dieser fragwürdigen Anschuldigungen zu stellen. Im Übrigen wurde das Strafverfahren letztlich eingestellt. Schade nur, dass so auch die Liebe mit meiner herzlichen jamaikanischen Freundin ein Ende nahm. Ich bete für sie und ihren tollen Sohn.

Zurück in Deutschland

Nun wohnte ich im Haus meiner schwerkranken Oma, die Wiederkehr hatte sein Gutes. Gott sei Dank! Ich begleitete meine liebe Oma noch ein gutes Jahr, bis ich sie am Sterbebett ein letztes Mal atmen hörte. Gott hab sie selig. Ich liebe sie vom ganzen Herzen. Diese letzte Begegnung ist unbezahlbar.

Aber nun vereinsamte ich auch allmählich.

Ich kannte weiter niemanden, musste mir mal wieder ein neues Netzwerk aus Bekannten aufbauen. Das kann ermüdend sein.

Um mich fit zu halten, fing ich mit dem Joggen an und lief in der Woche bis zu 100 Kilometer. Bei mir muss es immer extrem sein. So bin ich nunmal gestrickt. In den Sport konnte ich meinen ganzen Ehrgeiz hineinstecken. Nach wenigen Wochen schaffte ich die 10 Kilometer bereits deutlich unter einer Stunde zu laufen. Das spornte mich an und setzte gleichzeitig einen Haufen Glücksgefühle frei. Ich lenkte mich damit von meinen Problemen ab. Aber dann brach ich mir nach einigen Monaten den Zeh und die Phase wurde abrupt beendet. Die Einsamkeit wurde wieder spürbar; ich wurde launisch und gar depressiv.

In diesem Abschnitt meines Lebens lernte ich sehr viel mehr über mich kennen. Auch, weil mich eine sehr liebe Frau aus Algerien für einige Wochen wie eine Art Life Coach begleitete. Sie ist Muslimin und hat ihren Glauben sehr diszipliniert praktiziert. Das beeindruckte mich. Ich denke oft an sie und ihre Worte, die mich nachhaltig geprägt haben. Auf alle Fälle mochte ich sie. Es ist eine Tatsache, dass sie am Ende mehr über mich wusste, als ich es tat. Ich danke ihr aus tiefstem Herzen.

Der letzte Schliff für meine Seele

Als ich eines schönen Sommertages in Wittenberg spazierte, wurde meine Aufmerksamkeit unweigerlich auf ein Auto gelenkt, das vom übermässigen Anfahrgas überfordert schien. Der Motor jaulte unaufhörlich. Eine Ordensschwester parkierte in aller Ruhe ihren Wagen und hatte dabei einen kleinen Berg zu überwinden. Danach hatte ihr Auto eine verdiente Pause.

Ich begrüsste die Schwester mit einem “Grüss Gott!” und fragte sie, ob sie einen Rosenkranz für mich hat. Denn meiner aus Jamaika war längst verloren gegangen, in die Kirche ging ich auch schon länger nicht mehr. Nun, es war schon etwas verrückt, ausgerechnet in Lutherstadt Wittenberg eine katholische Ordensschwester zu treffen. Ich konnte sie nicht übersehen respektive überhören. Aber so ist Gott nun einmal. Er findet Wege, um mit uns zu kommunizieren. Gott hat Humor und die zierliche, warmherzige Ordensschwester Anneliese hatte einen Rosenkranz. Gemeinsam sassen wir in der Kapelle und sie erklärte mir, wie ich richtig bete. Das war im Jahr 2016. Seit dieser Zeit legte ich den Rosenkranz nie wieder ab.

Ich bete den Rosenkranz bei jeder Möglichkeit. An nur einem Tag lernte ich das Ave Maria auf Latein. In mir wuchs Zuversicht und Freude. Einsamkeit? Wie konnte ich nur vergessen, dass es Jesus und Maria gibt. Ich bemerkte zunehmend, wie Maria mein Leben in geordnete Bahnen lenkte.

Da ich mich sehr mit der Jungfrau Maria verbunden fühle, habe ich ein kleines blaues Buch mit dem Titel “Our Lady’s Message to the World” bestellt (es ist die Englische Version von den Botschaften der Barmherzigkeit der Jesusmutter Maria für die Welt). Ich hörte immer wieder mal von diesem Buch; es enthält Botschaften der Jungfrau Maria. Als ich es das erste Mal nutzte, betete ich den Rosenkranz, schlug eine zufällige Seite auf und erhielt die folgende Botschaft: “Reinige Deine Absichten”. Das passierte noch einige Male so, immer wieder erhielt ich die selbe Botschaft. Das Buch enthält 392 verschiedene Botschaften. Ich habe viel darüber nachgedacht und irgendwann verstanden, was mir Maria sagen wollte. Seither begleitet mich dieses Buch im tiefen Gebet. Die liebe und barmherzige Gottesmutter gibt mir Führung. Ihr grosser Wille ist es, dass ich mein Herz öffne. Aufgrund meiner Vergangenheit, ist das keine leichte Aufgabe für mich.

Mein Glaube ist durch die Gebete und die Botschaften gereift. Seitdem passieren Wunder und neue tolle Freundschaften entstehen. Ich bin aktiv in einer katholischen Gemeinde und gehe jede Woche mindestens an zwei Tagen in die Kirche. Besonders wichtig ist mir dabei der Sonntag. Am 15. April 2017 wurde ich römisch-katholisch getauft.

Zeit aufzuwachen – wichtige Begegnungen

Auf dem Weg zum Glauben lernte ich Florian kennen, der die Botschaften der Jungfrau Maria in seinem Leben und Gebeten aus tiefster Überzeugung vereint. “Handle und denke mit dem Herzen” – diese Worte wiederholt er mir gegenüber wie ein Mantra. Florian ist ein wichtiger Teil in meinem Leben geworden, da er mich u.a. spirituell berät und zudem unglaublich welterfahren und belesen ist.

Und dann traf ich an einem Donnerstagvormittag einen Christen namens Torsten. Er hat eine bemerkenswerte Menschenkenntnis. Die Begegnung war spontan aber nicht ganz ungeplant. Der Kontakt entstand über Pater Martin aus Fulda. Nun, ich musste schmerzlich erfahren, dass ich noch immer sehr distanziert und kontrolliert wirke. Torsten, der mich noch keine Stunde kannte, hatte sofort ein Bild von mir gezeichnet. Gott hatte hier definitiv seine Finger im Spiel. Torsten spürte meine Traurigkeit. Er spürte, dass mir etwas im Leben fehlt. Nur mit dem Herzen erreiche man die Menschen, so seine Worte. Das Treffen verlief nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das war auch gut so. Ich sei blind, doch ein Sehender solle ich sein.

Gott zeigte Humor, denn nur einen Tag später bekam ich zur Heiligen Messe die Apostelgeschichte 9 “Die Bekehrung des Saulus” in die Hand gedrückt, um sie bitte der Gemeinde vorzutragen. Vom Blinden zum Sehenden. Halleluja!

Diese kurz aufeinander folgenden Ereignisse haben mir die Augen geöffnet. Ich habe mich entschieden, meine Talente für das Gute einzusetzen und möchte ein besserer Freund sein, verabrede mich mit Bekannten und gestalte aktiv mein Leben. Vor allem aber handle ich mit dem Herzen. Mein Kalender ist gefüllt mit Ereignissen, die jeden Bereich meines Lebens abdecken. Welch ein Segen.

Über die neuen Medien erreiche ich viele tausend Menschen mit christlichen Botschaften. Es macht mir Freude, das Geschenk, die christlichen Werte, mit anderen zu teilen.

Umgeben von der Schönheit der Natur, stand ich mit einem Freund an einem Fluss, der das Licht der Sonne widerspiegelte. Ich fühlte echtes Glück und Freude. Die Einsamkeit verstummte.

Der letzte Dank gebührt meiner Familie, die mich nie im Stich gelassen hat und ein ganz wichtiger Anker für mich ist. Ihr musstet und müsst viel ertragen. Wir schaffen das.

„Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein, tue trotzdem Gutes.“ – Mutter Teresa

Gott segne Sie!

Stefan Dosdal
Annaburg, 7. Mai 2017

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Die Taufe von Stefan Dosdal
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„Meine Liebe ist ein freigeblasenes Segel. Setze dein Vorsegel und fange meine Liebe ein, die wie der Wind in deiner Seele stürmt.“ (Jesusmutter Maria)

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Die Botschaften der Barmherzigkeit der Jesusmutter Maria für die Welt

„Ich erinnere euch wiederum daran, das Buch einfach auf irgendeiner Seite zu öffnen und ihr werdet den Pfad finden, der euch zum Frieden führt und ihr erfahrt eine unbeschreibliche Freude.“ (Jesusmutter Maria)

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